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Qnexa®, Lorcaserin und Contrave®
USA: Drei neue Abmagerungsmittel vor der Zulassung
Zurzeit beschäftigt sich die US-Zulassungsbehörde FDA mit drei neuen Appetitzüglern, wobei sich das externe Gutachtergremium bei einem Präparat bereits mehrfach gegen eine Zulassung entschieden hat. Bei den anderen beiden steht eine Empfehlung für oder gegen eine Marktzulassung noch aus.
Bereits am 15.07.2010 setzten sich die Gutachter mit dem Medikament Qnexa® von Vivus (San Jose) näher auseinander und kamen zu dem Entschluss, dieses Präparat vorerst nicht für eine Marktzulassung zu empfehlen. Die Sicherheitsbedenken wurden in diesem Fall höher eingestuft als der zu erwartende Nutzen. Qnexa® enthält neben dem Amphetamin-Derivat Phentermin zusätzlich retardiertes Topiramat, das u.a. zur Epilepsie-Behandlung eingesetzt wird. Hinsichtlich der Verwendung als Abmagerungsmittel ergänzen sich beide Substanzen in ihrer pharmakologischen Wirkung. Phentermin zügelt den Appetit, indem es die Ausschüttung von Noradrenalin im Hypothalamus fördert und daher ähnlich einer Stressreaktion das Hungergefühl dämpft. Topiramat erhöht das Sättigungsgefühl. Gleichzeitig erzeugt Topiramat beim Genuss kohlensäurehaltiger Getränke einen metallischen Geschmack, der Patienten davon abhalten soll, kalorienreiche Softdrinks zu sich zu nehmen.
Die Ergebnisse zweier Phase III-Studien zeigen, dass Qnexa® in der höchsten Dosis das Körpergewicht um 10,9% senkte, um 8,9% mehr als im Placebo-Arm. Auch wenn die FDA die Wirksamkeit dieser Wirkstoffkombination nicht anzweifelt, äußerte sie dennoch ihre Bedenken hinsichtlich der Nebenwirkungen beider Wirkstoffe. Bei Phentermin dürfe man die mögliche Erhöhung der Herzfrequenz nicht außer Acht lassen. Topiramat kann zu einer Beeinträchtigung der Konzentration und des Gedächtnisses führen. Außerdem erhöht der Wirkstoff das Suizidrisiko und ist bekannt für seine teratogene Wirkung.
Eine endgültige Entscheidung über die Zulassung von Qnexa® will die FDA im Oktober fällen.
Im September wird das Votum der FDA zu dem Wirkstoff Lorcaserin aus der Klasse der Serotoninagonisten erwartet. Die 5-HT2C-Rezeptor-Stimulierung aktiviert das sogenannte POMC (Proopiomelanocortin)-System im Hypothalamus. Dadurch kommt es zur Blockade von anabolen Stoffwechselwegen, während katabole gefördert werden.
Dem Hersteller Arena Pharmaceuticals (San Diego) ist es möglicherweise gelungen, demnächst einen Appetitzügler anzubieten, der aufgrund seiner selektiven agonistischen Wirkung am 5-HT2C-Rezeptor ein geringeres Nebenwirkungsprofil aufweisen soll als seine Vorgänger Fenfluramin (Pondarex®) und Dexfenfluramin (Isomeride®). Sie wurden in Zusammenhang mit pulmonaler Hypertonie und Herzklappenveränderungen (Valvulopathie) gebracht und mussten daher in den 90er-Jahren vom Markt genommen werden. Vermutlich waren die schweren Nebenwirkungen auf eine geringe 5-HT-Rezeptor-Selektivität zurückzuführen. So wurde u.a. auch eine agonistische Wirkung am 5-HT2B-Rezeptor nachgewiesen, die für die Herzklappenschäden verantwortlich gemacht wird. Lorcaserin bindet hingegen 15- bis 100-fach selektiver an den Rezeptorsubtyp 5-HT2C, der nicht an den Herzklappen exprimiert wird. In den bisherigen klinischen Studien mit Lorcaserin sind noch keine Valvulopathien aufgetreten.
Ergebnisse der BLOOM-Studie zeigen, dass adipöse Teilnehmer (BMI 36) durch die Einnahme von Lorcaserin im ersten Jahr durchschnittlich 5% abnahmen, etwa 4 kg mehr als in der Placebogruppe. Im zweiten Jahr verringerte sich der Abstand auf 2 kg und Teilnehmer, die im zweiten Jahr auf Placebo zurück wechselten, waren am Ende genauso dick wie die Teilnehmer, welche von Anfang an Placebo erhalten hatten.
Für die Beurteilung einer potentiellen Zulassung werden jedoch vermutlich eher Sicherheitsaspekte wie die Tatsache, dass keine Schäden an den Herzklappen oder andere schwere Nebenwirkungen zu erwarten sind, ausschlaggebend sein.
Das dritte potenziell neue Medikament ist Contrave®, eine Kombination aus dem Antidepressivum Bupropion und dem Opiat-Antagonisten Naltrexon, des Herstellers Orexigen. Es soll bei suchthaftem Essverhalten angewandt werden. Naltrexon wird bisher zur medikamentösen Unterstützung bei einer Entwöhnungsbehandlung von Opiat- bzw. Alkoholabhängigen genutzt. Bupropion wurde im Jahr 2000 zur Behandlung der Depression eingeführt. Beide Substanzen sollen sowohl auf das Hungerzentrum im Hypothalamus wirken als auch im Belohnungssystem den Antrieb zur vermehrten Nahrungsaufnahme hemmen.
Klinische Studien zeigten, dass die Probanden durch die Einnahme von Contrave® einen Gewichtsverlust von etwa 10% erreichen konnten. Allerdings traten unter der Behandlung relativ häufig Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen auf, die sich vermutlich negativ auf die Compliance auswirken könnten.
Durch die Befürwortung der neuen Medikamente durch die FDA könnte das Angebot an Abmagerungsmitteln, das aufgrund der Marktrücknahme von Rimonabant (Acomplia®) im Jahr 2008 und der seit Januar 2010 ruhenden Zulassung Sibutramin-haltiger Arzneimittel (Reductil®) sehr ausgedünnt ist, erweitert werden.
Quelle:
[1] Pressemitteilung des Deutschen Ärzteblatts, 15. Juli 2010: Drei Abmagerungsmittel vor der Zulassung
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